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Räumlich

Soweit ich denken kann wollte ich schreiben. Ich wollte es, bevor ich es konnte, und als ich es konnte, wollte ich es umso mehr.

Ich wollte ein Buch verlegen lassen das die Welt gefangen nimmt, jeder sollte mich bewundern und wissen, wer ich war. 

Ich meinen Kopf gibt es ein Zimmer, irgendwo.
Es ist lichtdurchflutet, die Luft ist schwer und träge. Die satten Sonnenstrahlen fallen aufs dunkle Parkett und zeichnen Widerspiegelungen von Fenstern auf den Grund
während der Staub in der Luft hängt wie Algenfetzen in einer Unterwasserlandschaft. Die Wände sind von einem warmen Weiß, jungfräulich leer und aufgeräumt.
Ich habe diesen Raum einmal in Traum gesehen.
Ich kann bis heute nicht genau erklären, wozu er genau dient oder was er darstellt. Ich weiß nur, dass es ihn gibt.

Der Raum enthält keine Luft. Er ist gefüllt mit etwas viel Elementarerem, etwas, dass ich nicht begreifen kann. Keine Luft, kein Wasser. Ordinäre Begriffe wie Liebe, Glaube oder Kreativität werden dem nicht gerecht. Aber ich weiß, dass ich es zum Leben, zum Überleben brauche.
Bin ich dort, sauge ich es auf. Dann entsteht eine seltsame, warme Leere in mir. Ich bin ganz erfüllt von dieser unbegreiflichen Masse.

 

Als Kind bin ich dort oft gewesen, in diesem Raum.  Er war mir immer geöffnet und ich trug eine Menge der Dinge, die ich dort aufsog, mit hinaus in die Welt. Bilder, Geschichten und Licht.
Es muss eine Art Quelle sein, ein besserer Begriff fällt mir nicht ein.

Ich malte mir immer aus, ich würde ein Buch schreiben, ein Bild zeichnen, sodass ich jedem etwas von dieser Quelle mitbringen konnte. Damit gesehen und geachtet werden konnte- dafür, dass ich etwas so Wertvolles besaß.
Die Realität sah anders aus. Irgendwann begann ich, alle Geschichten zu bewerten und zu vergleichen. Sie waren nicht mehr gut genug, qualitativ minderwertig, kindisch oder unüberzeugend.
Ich schrieb keine Geschichte mehr zu Ende, aus der Überzeugung, zu Besserem fähig zu sein. Ich achtete und schätze die Dinge nicht mehr, die ich aus meinem Raum mitnahm. Stattdessen wurde ich immer gieriger, ging ein und aus und gab mich nie mehr zufrieden.

Unbemerkt
hatte sich der Raum eines Tages geschlossen. Ich stand vor der verriegelten Tür. Wusste nichtmehr, wo er lag und wie ich ihn öffnen konnte. Ich hörte auf zu zeichnen. Hörte auf zu schreiben. Ich hatte nichts mehr zu sagen.

Das war die Zeit nach meiner Essstörung.
Ich lief wie eine Maschine läuft die gut geölt ist. Ich habe mich oft gefragt, ob ich noch einmal zurück finden werde. In diesen Raum.
Dieser Raum, von dem mir mein Verstand sagt, dass es ihn nicht geben kann, weil in meinem Kopf ein Gehirn und keine Wohnung ist. Dieser Raum, den ich rational nicht erklären kann- oder darf.

Es gibt eine gute Nachricht:Ich habe tatsächlich eine Möglichkeit gefunden. Anstelle zu wünschen, andere sollten meine Quelle sehen und bewundern, begann ich, mich selbst dafür zu schätzen. Was habe ich davon, wenn ich Fenstern und Türen aufreisse um andern zu zeigen, was sie nicht verstehen können
-weil es mir gehört?

 Es ist eine der größten Aufgaben die mir gestellt wurden. Sich selbst respektieren.
Nicht akzeptieren sondern respektieren. Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Ich möchte noch immer schreiben. Aber ich schreibe ein bisschen mehr für mich. Und freue mich darüber.

 

 

19.8.09 13:32
 


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